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Sichuan – Lebensraum für 700 Vogelarten

Das Sichuanbecken

Sichuan lässt sich in das Sichuanbecken im Osten und einen breiten Gebirgskomplex im Westen unterteilen. Das Sichuanbecken hat eine Fläche von etwa 200 000qkm und die Form einer riesigen runden Senke, umgeben von mindestens 2000m hohen Bergen. Hier herrscht ein feuchtes subtropisches Klima, d.h. heiße feuchte Sommer und mäßig kalte aber feuchte Winter (über 0 Grad C).

Die hohe Einwohnerdichte, der großflächige Landbau mit starker Erschließung selbst sehr hügeliger Regionen und der massive Kahlschlag in den 50er, 60er und 80er Jahren hat im Becken zu gravierenden Einschnitten in der Vogelwelt geführt. Aufgrund dessen zeigten Vogelforscher leider kein erwähnenswertes Interesse für diese Region, sodass es an zuverlässigen Daten mangelt.

reisfelderDer bergige Ostrand des Beckens bleibt dennoch ein wichtiger Transitkorridor für Greifvögel, Storche und andere Zugvögel. Bachstelze, Bülbül, Laubsänger oder Meisen stellen den Löwenanteil des Vogelbestandes, während Rebhühner und Fasane (wie Blutfasan, Koklassfasan oder Sichuan Rebhuhn) innerhalb des Beckens nur sporadisch anzutreffen sind (der Jagdwert ist wegen mangelnder Ernsthaftigkeit bei der Durchsetzung des Artenschutzes immer noch höher als die zu erwartende Strafe).

Seit einigen Jahren führt die Regierung verstärkt Renaturierungs- und Umweltschutzprojekte durch. Die Errichtung vieler Parks und Grünanlagen, sowie Aufklärungsmaßnahmen, besonders auf dem Land, zeigen langsam Wirkung und lassen in Zukunft auf eine stärkere Verbreitung seltener Arten hoffen.

 

Der bergige Westen

Ganz anders verhält es sich mit dem Westteil der Provinz, in dem der Großteil der knapp 700 Vogelarten Sichuans anzutreffen ist. Oben wird er vereinfacht als breiter Gebirgskomplex bezeichnet, sollte jedoch nochmals in drei Abschnitte mit für sich jeweils charakteristischen Eigenschaften unterteilt werden: Den westlichen Beckenrand, den breiten, sich von Nord nach Süd erstreckenden Gebirgsgürtel und die, schon dem tibetischen Hochplateau zugehörige Hochebene.

tetraophasis_szechenyii Der westliche Beckenrand kann als Übergang von Ebene zu Gebirge verstanden werden, stellt also die "Innenseite" des Randes dar und hat eine Breite zwischen 30 und 100km. In einem Großteil dieser "Innenseite" wurden Naturschutzreservate errichtet, in denen der Panda seinen einzigen Lebensraum findet.

Vom Sichuanbecken dringt extrem feuchte Luft in die angrenzenden Täler ein und beeinflusst die Bergvegetation immens. Da die langsam ansteigenden Berge am Beckenrand bereits eine stolze Höhe von knapp 5000m erreichen (Baumgrenze bei etwa 3900m), gleichzeitig aber recht steil in die Höhe ragen und das Wasser in engen Schluchten drainieren, existiert hier eine sehr gut geschützte, kaum durch den Menschen beeinflusste Vegetation. Diese zeichnet sich durch dichte und üppige Flora mit hoher Artenvielfalt und einzigartiger Fauna aus.

Dort finden neben dem Panda, Paarhufern, Raubkatzen und Affen vor allem auch Vögel ihren Lebensraum. Zu nennen sind hier insbesondere Häherlinge (über 15 Arten), Hühnervögel, Gimpel (über 20 Arten), Kernbeißer, Papageienmeisen, Rotschwänze, Spechte und Greifvögel.

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Zu den interessantesten Vogelbeobachtungsgebieten gehören hier der buddhistische Emei Shan, der Wawu Shan, der Erlang Shan und die Naturschutzreservate Laba He, Wolong, Wanglang, Tangjiahe und Baishui He. (Karte)

Nun weiter Richtung Westen: Der Gebirgskomplex zwischen dem östlichen Rand des tibetischen Hochplateaus und dem Sichuanbecken ist von schroffen, gletscherbedeckten Gebirgsketten (bis über 7000m), engen Schluchten, weitläufigen Wäldern und Grasmatten charakterisiert und ist einmalig in seiner Landschaft. Er zieht sich vom Norden Myanmars über den Norden Yunnans und den Westen Sichuans bis in den südlichen Teil der Provinz Gansu. Sein Übergang ins Hochplateau findet fließend statt. Markante Gebirgszüge und weitläufiges Grasland fesseln das Auge des Reisenden in einem aufregenden Wechselspiel.

Der Vogelbestand ist hier weniger von menschlichem Einfluss geprägt als von den topographischen Verhältnissen. Fast überall sind hier Greifvögel (v.a. Geier, Bussarde und Adler) anzutreffen. Weiterhin finden wir in hohen Lagen alpine Vögel wie Steinadler, Schneetaube, Haldenhuhn, Schneefinken, Gebirgsgimpel, Bergalcippe, etc. In tieferen Lagen sowie waldigen Gebieten tummeln sich Häherlinge, Gimpel und andere Singvögel. Rotschnabelkittas, die mit heftigem Kampfgeschrei einen Bussard attackieren gehören ebenso in das Tagesrepertoire eines Vogelbeobachters wie der unverkennbare Ruf des Koklassfasans. Mit etwas Glück kann hier sogar der bedrohte Chinasittich erspäht werden.

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Die Wasserverhältnisse werden hier eher durch reißende Gebirgsflüsse geprägt. Das bedeutet, dass wir z.B. die Familie der Rotschwänze wesentlich häufiger zu Gesicht bekommen als Wasservögel, die stehende Gewässer bevorzugen.

Jiuzhaigou, Wolong, Ma‘erkang, das Mengdun-Tal oder der mittlere Lauf des Yalong-Stroms sollten als hervorragende Vogelbeobachtungsgebiete unbedingt Erwähnung finden.

garrulax_maximus Wie oben schon beschrieben, wechseln sich Grasland und plötzlich emporragende Gebirgszüge unregelmäßig ab. So finden viele Tiere in den sich nach Westen hin ausdehnenden Hochebenen einen äußerst geeigneten Lebensraum. Besonderes Augenmerk sei hier auf das flächenmäßig größte Sumpfland des tibetischen Hochplateaus gerichtet (Zoigê, chin. Ruo‘ergai). Hier versammeln sich der Schwarzhalskranich aber auch viele andere Brutvögel (Gänse, Enten, etc.) alljährlich zur Paarung.

Das Grasland, das in den Sommermonaten besonders saftig ist, bietet nicht nur Prärie, sondern auch viel Buschwerk, feuchte Wiesen, langsam dahin fließende Ströme und eine ausgeprägte Fauna. In Zoigê macht der Huang He, der gelbe Fluss, in seiner ersten gewaltigen Biegung einen Abstecher nach Sichuan, um dann durch die Wüsten Nordchinas seinem langen Weg in den Pazifischen Ozean zu folgen.

 

Unsere Reisen

Aufgrund von saisonalen als auch territorialen Unterschieden ist es sinnvoll, das sehr große Gebiet Westsichuans auf einer Nord- und einer Südroute zu bereisen. Die Nordroute führt durch hohe Lagen und ist deswegen ornithologisch gesehen in der Zeit von Frühling bis Herbst sehr ergiebig. In den hochgelegenen Feuchtgebieten finden sich beispielsweise ab April viele Brutvögel zur Paarung ein. Die Südroute bewegt sich durch Täler, die ins Sichuanbecken münden und ist daher feuchter, wärmer und vegetationsreicher. Hier sind von Herbst bis Frühjahr viele Standvögel und Wintergäste anzutreffen.

Neben ornithologischen Highlights begegnen wir auf der Nordtour einer festverwurzelten tibetischen Tradition mit buddhistischen Klöstern und einem jedem Wetter trotzenden Nomadentum. Die Südtour hat den buddhistischen Emei-Berg als kulturelle Perle zu bieten. Auch ist der tiefe Canyon des Dadu-Stroms eine landschaftliche Attraktion.

Die Touren haben eine Dauer von 10 bis 14 Tagen. Übernachtungen finden in Hotels und, außerhalb von Ortschaften, in sauberen Herbergen mit familiärer Atmosphäre statt. Das Mittagessen wird an manchen Orten einer einfachen Brotzeit weichen müssen, um nicht die Effizienz der Vogelbeobachtung zu mindern. Für den Überlandtransport stehen Geländewagen oder Kleinbusse zur Verfügung.

• Bird-watching in Ngawa/Aba und Garzê/Ganzi (Nordroute),Tourbeschreibung im pdf-Format.

• Bird-watching in Ya´an und Leshan (Südroute),Tourbeschreibung im pdf-Format.

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